Performance der Vermögensverwaltung richtig einordnen: Was ist eine gute Rendite?
Das Wichtigste in Kürze
- Gute Performance heißt: Die Vermögensverwaltung erreicht nach allen Kosten in etwa die Marktrendite der passenden Mischung der Anlageklassen oder übertrifft sie. Gemessen wird über drei bis fünf Jahre, nicht über ein Jahr.
- Rendite und Risiko gehören zusammen. Renditestärkere Anlageklassen wie Aktien haben historisch mehr gebracht, in schlechten Jahren aber auch stärker verloren.
- Ein einzelnes Jahr sagt wenig. Wer z.B. 20 Jahre lang monatlich in weltweite Aktien angelegt hat, kam bis Ende 2025 im Schnitt auf 8,6 % pro Jahr, vor Kosten und Steuern. In einzelnen Jahren lag das Minus aber bei bis zu 42,2 % (Deutsches Aktieninstitut, MSCI World in Euro, Stand 31.12.2025).
- Vermögenserhalt und Vermögensmehrung lassen sich nur nach Inflation sinnvoll messen. Wer die Kaufkraft erhalten will, braucht eine Rendite über Inflation plus Kosten: bei 2,2 % Inflation und 1,9 % Kosten rund 4,1 % pro Jahr, vor Steuern. Wer sein Vermögen real vermehren will, braucht entsprechend mehr.
- Die Messlatte muss zum eigenen Depot passen. Ein weltweit gestreutes Depot mit Anleihen lässt sich nicht mit einem einzelnen Aktienindex vergleichen.
Viele Anleger lesen ihren Jahresbericht und wissen danach nicht, ob das Ergebnis gut war. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die Performance Ihrer Vermögensverwaltung einordnen. Sie brauchen dafür drei Dinge: Ihr Ziel, die passende Messlatte und den Blick auf mehrere Jahre.
Die Beispiele in diesem Ratgeber gehen der Einfachheit halber von Depots aus Aktien und Anleihen aus. Viele Vermögensverwalter mischen weitere Anlageklassen bei, etwa Immobilien, Gold, Rohstoffe oder Private Equity. Das Prinzip bleibt gleich: Die Messlatte enthält dieselben Anlageklassen im selben Verhältnis wie Ihr Depot.
Vermögenserhalt oder Vermögensmehrung: Was ist Ihr Ziel?
Viele vermögende Anleger nennen keine Renditezahl als Ziel. Sie sagen: Ich möchte mein Vermögen erhalten. Oder: Ich möchte es vermehren. Beides klingt klar. Es lässt sich aber sehr unterschiedlich verstehen.
Vermögenserhalt kann zweierlei heißen:
- Der Euro-Betrag soll erhalten bleiben. Das ist mit wenig Risiko erreichbar.
- Die Kaufkraft soll erhalten bleiben. Dann muss die Rendite nach Kosten mindestens die Inflation ausgleichen. Die Verbraucherpreise stiegen 2025 um 2,2 %, 2022 sogar um 6,9 % (Statistisches Bundesamt).
Vermögensmehrung heißt: Das Vermögen soll nach Inflation wachsen. Dafür braucht es einen größeren Anteil renditestärkerer Anlageklassen, etwa Aktien, Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen. Damit steigen auch die Schwankungen.
Aus der Praxis
Viele vermögende Kunden haben keine Vorstellung davon, welche Rendite realistisch ist. Sie nennen eher Ziele wie Vermögenserhalt oder Vermögensmehrung. Im Gespräch geht es dann zuerst darum, was diese Ziele konkret bedeuten. Dabei kann ein Vermögensverwalter helfen: Er definiert die Ziele gemeinsam mit dem Kunden und leitet daraus eine passende Strategie ab. Vermögenserhalt nach Inflation führt zu einer anderen Strategie als eine chancenorientierte Anlage mit hohem Aktienanteil. Eine solche Strategie soll über einen langen Zeitraum eine hohe einstellige Rendite pro Jahr erzielen. Renditen von 10 bis 13 % pro Jahr erreichen langfristig nur sehr aggressive Portfolios.
Warum gehören Rendite und Risiko zusammen?
Rendite ist der Lohn für Risiko. Historisch haben Aktien langfristig mehr gebracht als Anleihen. Dafür schwanken sie stärker. Ob das auch künftig so ist, kann niemand vorhersagen.
Das Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts zeigt das für weltweite Aktien (MSCI World, in Euro). Wer 20 Jahre lang jeden Monat einen festen Betrag angelegt hat, kam bis Ende 2025 im Schnitt auf 8,6 % pro Jahr. Kosten und Steuern sind dabei nicht abgezogen. In einzelnen Jahren lag das Minus aber bei bis zu 42,2 %. Frühere Renditen sind keine Garantie für die Zukunft.
Aktien schwanken kurzfristig stark. Ihre Stärke haben sie in der Vergangenheit meist erst über längere Zeiträume gezeigt. Je länger die Anlagedauer, desto weniger hängt das Ergebnis davon ab, ob man vor einem schlechten Jahr eingestiegen ist.
Für Ihre Vermögensverwaltung heißt das: Erst legen Sie gemeinsam mit Ihrem Vermögensverwalter fest, wie viel Schwankung Sie tragen können. Daraus ergibt sich die Mischung der Anlageklassen. Und erst daraus ergibt sich, welche Rendite Sie langfristig erwarten können. Eine hohe Rendite ohne entsprechendes Risiko gibt es nicht.
Wie stark mindern Kosten die Rendite?
Jede Vermögensverwaltung muss zuerst ihre eigenen Kosten verdienen. Erst danach beginnt Ihr Ertrag. Ein Rechenbeispiel zeigt, wie groß diese Hürde ist.
Angenommen, eine ausgewogene Mischung aus Aktien und Anleihen bringt vor Kosten 5 % im Jahr. Das ist eine Annahme für das Beispiel, keine Prognose. Die Kosten stammen aus unserem Kostenvergleich (Mediane bei 500.000 Euro, Stand 10/2026).
| Vermögensverwaltung über … | Gesamtkosten pro Jahr | Rendite nach Kosten | nach Inflation (2,2 %) | Rendite nötig für Kaufkrafterhalt |
|---|---|---|---|---|
| Robo-Advisor | 0,82 % | 4,18 % | rund 2,0 % | rund 3,0 % |
| Angebot mit persönlicher Betreuung | 1,89 % | 3,11 % | rund 0,9 % | rund 4,1 % |
| Bank | 2,07 % | 2,93 % | rund 0,7 % | rund 4,3 % |
Eigene Rechnung, vereinfacht, vor Steuern.
Die Tabelle sagt nicht, dass teurer schlechter ist. Persönliche Betreuung kann ihren Preis wert sein. Sie zeigt aber: Je höher die Kosten, desto mehr muss der Verwalter leisten, damit für Sie real etwas übrig bleibt. Welche Kosten es gibt, erklärt der Ratgeber Was kostet Vermögensverwaltung wirklich?.
Woran misst man eine Vermögensverwaltung?
An einer Vergleichsgröße, der Benchmark. Sie zeigt, was der Markt in derselben Zeit geliefert hat.
Die richtige Benchmark für eine Vermögensverwaltung bildet die Mischung der Anlageklassen Ihres Depots ab, im selben Verhältnis. Man kann sie die Basisrendite des Kapitalmarkts nennen. Diese Rendite hätten Sie auch mit einem einfachen, passiven Depot erzielt.
Ein guter Vermögensverwalter erreicht diese Basisrendite nach Kosten in etwa. Oder er übertrifft sie. Und zwar nicht in einem einzelnen Jahr, sondern über drei bis fünf Jahre.
Gerade taktische Entscheidungen, etwa für einzelne Länder oder Regionen, können kurzfristig zu Abweichungen von der Marktrendite führen. Langfristig sollten sie sich aber auszahlen. Sonst kosten sie nur Rendite.
Welche Vergleiche führen in die Irre?
Die meisten Fehlurteile entstehen durch die falsche Messlatte. Drei Fälle sind besonders häufig:
- Vergleich mit falschen Benchmarks oder Märkten: Ein typisches Beispiel ist der DAX. Er enthält nur 40 deutsche Unternehmen. Deutschland steht für gut 4 % der Weltwirtschaft (DIW, 2025). Trotzdem orientieren sich viele Anleger an heimischen Aktien. Fachleute nennen das Home Bias. Ein weltweit gestreutes Depot entwickelt sich anders als der DAX.
- Ein US-Index in Dollar, zum Beispiel der Nasdaq: Meldet die Presse die Jahresrendite des Nasdaq, ist das meist ein Wert in US-Dollar. Für Ihr Depot in Euro zählt auch der Wechselkurs. Zudem ist der Nasdaq ganz anders zusammengesetzt als ein breit gestreutes Depot: Ihn prägen vor allem amerikanische Technologieunternehmen.
- Eine Benchmark mit anderem Aktienanteil: Wer 40 % Anleihen hält, kann in einem guten Aktienjahr nicht mit dem MSCI World mithalten. In einem schlechten Aktienjahr verliert er dafür weniger. Umgekehrt gilt das Gleiche: Ein Depot mit hoher Aktienquote darf nicht an einer Benchmark mit 50 % Aktien und 50 % Anleihen gemessen werden. Sonst sieht es in guten Jahren besser aus, als es ist.
Aus der Praxis
Vielen Kunden fehlt das Wissen, wie man richtig vergleicht. Sie hören in der Presse, wie sich der DAX entwickelt hat, und legen das neben ihre weltweite Strategie. Oder sie hören die Jahresrendite des Nasdaq in US-Dollar. Oder sie vergleichen mit dem MSCI World, obwohl sie sich bewusst für eine ruhigere Strategie mit Anleihen entschieden haben. Dann ist die Performance gar nicht vergleichbar.
Weitere typische Fehler beim Vergleich, etwa ein falscher Zeitraum oder ein Einstieg im laufenden Jahr, behandeln wir in einem eigenen Ratgeber.
Wie finden Sie heraus, was die Märkte geliefert haben?
Sie können die Basisrendite für Ihr Depot grob selbst ermitteln. Dafür brauchen Sie zwei Werte für das abgelaufene Jahr:
- die Rendite weltweiter Aktien in Euro, mit Dividenden
- die Rendite von Euro-Anleihen guter Bonität
Beide Werte finden Sie in den Jahresrückblicken der Wirtschaftspresse. Sie stehen auch in den Factsheets großer Index-ETFs auf weltweite Aktien und auf Euro-Anleihen. Achten Sie darauf, dass die Werte in Euro angegeben sind und dasselbe Kalenderjahr betreffen. Mischt Ihr Verwalter weitere Anlageklassen bei, etwa Immobilien oder Gold, nehmen Sie auch deren Jahreswert hinzu.
Dann gewichten Sie die Werte mit ihrem Anteil in Ihrem Depot. Ein Beispiel mit angenommenen Zahlen:
- Weltaktien brachten 8 %, Euro-Anleihen 2 %.
- Ihr Depot hat 60 % Aktien und 40 % Anleihen.
- Die Mischung kam auf 0,6 × 8 % + 0,4 × 2 % = 5,6 %.
- Nach rund 0,2 % Kosten für ein ETF-Depot bleiben etwa 5,4 %.
Hat Ihr Verwalter nach allen Kosten 4,6 % erzielt, liegt er 0,8 Prozentpunkte unter der Messlatte. Ein Jahr reicht für ein Urteil aber nicht. Wiederholt sich das über mehrere Jahre, sollten Sie nachfragen.
Die Rechnung ist eine Näherung. Sie ersetzt keinen genauen Vergleich. Sie zeigt aber schnell, ob das Ergebnis Ihres Depots in der richtigen Größenordnung liegt.
Schwaches Jahr: Lag es am Markt oder am Verwalter?
Ein schwaches Jahr ist nicht automatisch eine schlechte Leistung Ihres Vermögensverwalters. Zwei Ursachen sind zu unterscheiden.
Der Markt war schwach. Wenn Aktien und Anleihen insgesamt schlecht liefen, konnte auch eine gute Strategie wenig verdienen. Dann zählt: Hat der Verwalter die Verluste begrenzt? Oder hat das Depot stärker nachgegeben als die Messlatte?
Die Entscheidungen des Verwalters gingen nicht auf. Viele Verwalter weichen bewusst von der Basisrendite ab. Sie gewichten bestimmte Länder, Regionen oder Branchen stärker oder wählen einzelne Aktien aus. Gehen diese Entscheidungen nicht auf, liegt das Depot hinter der Messlatte. Passiert das einmal, ist das normal. Passiert es mehrere Jahre in Folge, ist es ein Thema für ein Gespräch.
Aus der Praxis
Bei einer schwachen Jahresperformance gilt es immer zu unterscheiden: Lag es an taktischen Entscheidungen, etwa bei Ländern, Regionen oder Einzeltiteln? Oder gab es einfach ein schlechtes Börsenjahr? Der Blick auf die Renditen der Anlageklassen und auf die Benchmark hilft bei der Einordnung. Dann sieht man, ob der Verwalter schlecht gearbeitet hat oder ob die Märkte das Potenzial nicht hergegeben haben.
Vier Fragen für Ihren Jahresbericht
- Wie hoch war meine Rendite nach allen Kosten? Sehen Sie auf die Wertentwicklung vom 1. Januar bis zum 31. Dezember oder einem anderen festen Zeitraum. Maßgeblich ist der Wert nach Honorar, Umsatzsteuer und Produktkosten.
- Was hat die passende Mischung im selben Zeitraum gebracht? Nutzen Sie die Benchmark aus dem Bericht, wenn sie zur Mischung Ihres Depots passt. Sonst rechnen Sie selbst nach, wie oben gezeigt.
- Wie viel Kosten stecken in den Produkten? Fonds und ETFs haben eigene laufende Kosten. Sie stehen in der jährlichen Kostenaufstellung, der Ex-post-Kosteninformation.
- Wie sieht es über drei bis fünf Jahre aus? Ein Jahr kann Glück oder Pech sein. Erst über mehrere Jahre zeigt sich, ob der Verwalter die Basisrendite erreicht.
Wer diese Fragen schon vor der Entscheidung für einen Verwalter stellen will, findet sie im Ratgeber Fragen an den Vermögensverwalter.
Häufige Fragen
Welche Rendite ist bei einer Vermögensverwaltung realistisch?
Das hängt vor allem von der Mischung der Anlageklassen ab. Depots mit einem hohen Anteil an Aktien haben historisch langfristig eine hohe einstellige Rendite pro Jahr erreicht, vor Kosten und mit deutlichen Schwankungen. Konservative Strategien liegen niedriger. Zweistellige Renditen über viele Jahre erreichen nur sehr risikoreiche Portfolios. Eine Garantie gibt es in keinem Fall.
Was ist eine Benchmark?
Eine Vergleichsgröße. Für eine Vermögensverwaltung ist das eine Mischung aus Indizes der Anlageklassen, im selben Verhältnis wie in Ihrem Depot. Sie zeigt, was ein einfaches, passives Depot in derselben Zeit erzielt hätte.
Wie oft sollte ich die Performance prüfen?
Einmal im Jahr mit dem Jahresbericht reicht. Vierteljährliche Berichte bekommen Sie ohnehin. Ein Urteil über den Verwalter sollten Sie erst nach drei bis fünf Jahren fällen.
Ist ein schwaches Jahr ein Grund, den Verwalter zu wechseln?
Ein einzelnes Jahr allein nicht. Prüfen Sie, ob der Markt schwach war oder ob das Depot deutlich hinter der passenden Messlatte lag. Liegt es mehrere Jahre dahinter, sollten Sie das Gespräch mit dem Verwalter suchen.
Ob sich eine Vermögensverwaltung für Sie überhaupt lohnt, klärt der Ratgeber Brauche ich einen Vermögensverwalter?. Anbieter nach Typ finden Sie in der Anbieterübersicht, zum Beispiel unabhängige Vermögensverwalter oder Banken.
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Quellen
- Deutsches Aktieninstitut, MSCI-World-Rendite-Dreieck (Sparplan), Stand 31.12.2025
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 019 vom 16.01.2026: Inflationsrate 2025
- DIW Berlin, Lukas Menkhoff: Deutschlands Bedeutung in der Weltwirtschaft, Wirtschaftsdienst 7/2025
- vermoegensverwaltung-finden.de, Kostenvergleich Vermögensverwaltung, Stand 10/2026